Samstag, 30. Januar 2016

#1 /12 WoST - Januarwahnsinn

Festtagsdelikt - #1. WoST Geschichte

Vorwort: Es war ein Tag, wie jeder andere auch, als mir die Idee zu dieser Geschichte kam. Verantwortlich war ein RPG-Post im Victorias Grove als ich gerade eine meiner verrücktesten Figuren an dem Board schrieb. In ihrem Kopf sind viele Dinge mysteriös und krimibehaftet und sie hat ein intensives Gespräch über Schatztruhen, die man basteln könnte und an einem Tag besonders gut zu ... sagen wir: vergraben wären,gehabt .  Was Schatztruhen, vergraben, und Krimi mit Festtagsdelikt zu tun haben, werdet ihr in der folgenden, völlig absurden Geschichte herausfinden. Habt Spaß damit! Nele aka Dany
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„Das ist er also?“ „Ja, Herr Ruprecht, das ist er“, sagte der untersetze Mann im roten Mantel, während er sich durch seinen buschigen, weißen Bart fuhr. Seine Augen ruhten auf dem Geschöpf, das da in dem Verhörraum saß. Nervös und dauernd mit dem Fuß wippend. „Dieser kleine Kerl hat uns all die Jahre diese erheblichen Schwierigkeiten bereitet?“, fragte Ruprecht und bedachte seinen Kollegen in dem roten Anzug. Er konnte nicht verhindern, dass seine Augenbraue etwas in die Höhe wanderte. „So sieht es aus. Es gibt eindeutige Beweise dafür“, bemerkte der weißbärtige und sah mit seinen klaren, alterslosen Augen zu Ruprecht auf. „Wie gehen wir es an, dass der gewiefteste Dieb der Menschheitsgeschichte geständig wird?“, fragte Ruprecht und begann seinen schwarzen Vollbart zwischen zwei von Hornhaut besetzten Fingern zwirbelte. „Vielleicht sollten wir die Guter Cop – böser Cop Nummer versuchen. Da gehst also erst du rein, Ruprecht und anschließend, versuche ich es mit meiner sanften Art“ „Das ist eine wirklich gute Idee, Herr Claus“, meinte Ruprecht nun und nickte mit entschlossenem Blick. Immerhin konnte so niemand behaupten, sie hätten versucht, den Verdächtigen zu bestechen. Den Eindruck konnte man von Herrn Claus nämlich leicht gewinnen. Immerhin vergab er seine Geschenke nur an die Guten, während er die Bösen immer ihm überließ. Das war natürlich nicht wirklich fair, wenn man genauer darüber nachdachte. Aber über die Jahrhunderte hatte sich das auf diese Art und Weise eingebürgert. Vielleicht lag es daran, dass Ruprecht schon immer von seinem Wesen her, nicht so freundlich gewesen war. Ernst, desillusioniert vom Verhalten der Spezies Mensch. „Nun, dann fange ich einfach an. Aber du kannst gerne mit eintreten, Herr Claus“, bemerkte der dunkelhaarige Mann in dem braunen Anzug, als er auf den Raum zulief und die Tür öffnete, doch sein Partner lehnte es zunächst ab. Er antwortete ihm, dass er sich das von außen anschauen wollte, um den Dieb von drinnen zu beobachten. Herr Claus selbst war sich nicht sicher, das hatte er Herrn Ruprecht während der Fahndung einmal erzählt, ob ihr Dieb entweder der schlaueste Kerl auf Erden war, indem er sich als freundlicher Spender bezeichnete oder ob er einfach zu dumm war, die richtigen Ablageorte für seine Diebesgüter zu finden. Eine berechtigte Frage, wenn man Herrn Ruprecht fragte, aber da sie den Übeltäter nun gefunden hatten, konnten sie es direkt herausfinden. Mit einem amüsierten Lächeln war er in dem Verhörraum angekommen und setzte sich in den Stuhl dem Gauner gegenüber. Das Erste, was ihm auffiel war, dass er wohl der behaarteste Dieb seiner eigenen Karriere war und verdammt große Ohren hatte. Man konnte selbstredend darüber spekulieren, ob sie von den Lügen gewachsen waren – wie bei Pinocchio die Nase oder ob das einfach in seiner Natur lag. Noch etwas anderes fiel Herrn Ruprecht auf: extrem langen Schneidezähne, die länger als die von Hermine Granger waren – sicherlich praktisch, wenn man sich Zugang zu verschiedenen Häusern verschaffen wollte. Vielleicht konnten sie anhand eines Zahnabdrucks einen Abgleich mit den Einbruchsspuren an diversen Tatorten machen? Die Technik war inzwischen ja schon weit voran geschritten. Die Behaarung ihres Täters würde die Haarbüschel erklären. Herr Claus hatte Recht, sie hatten eindeutige Beweise gegen den Festgenommenen. Sie hatten ja auch wirklich mehrere Menschenleben darauf verwendet, diesen Meisterdieb zu finden. Allerdings war er deutlich ungeschickter als Bilbo Beutlin, aber selbstverständlich nur nach der Meinung von Herrn Ruprecht. Jetzt, als er seine Inspektion des verdächtigen Individuums beendet hatte, fing er an zu reden: „Sie wissen, warum Sie hier sind Herr Hase?“ „Nein! Ich verstehe überhaupt nicht, warum ihr mich mitgenommen habt. Ich bin ein treuer Bürger dieser Welt“, behauptete der pelzige Kerl steif und fest. Das hatte er schon mehrere Male beteuert, auf dem Weg hierher. Schon von der Erdhöhle, wo sie ihn aufgespürt hatten. „Dann will ich Ihnen mal auf die Sprünge ...“, Ruprecht hielt inne und setzte nach einem leichten Kopfschütteln fort: „... helfen. Seit geraumer Zeit sind Sie in den Fokus unserer Ermittlungen geraten. Wir haben auffällige Fußspuren vor Häusern gefunden, die Einbrüche zu beklagen hatten. Wir haben Haare – also DNA an den Tatorten gefunden“, sagte Ruprecht und setzte seine besondere, kehlige Stimmlage ein, die tief und dröhnend durch den Raum schwirrte. „Ey Ruprecht, komm mal wieder runter. Ich hab echt nix gemacht“, bemerkte der Verdächtige, als würde er seinen Gegenüber schon lange genug kennen. Was tatsächlich der Wahrheit entsprach. Ruprecht massierte sich die Stirn etwas und versuchte Ruhe zu bewahren. Nur nicht aus der Haut fahren, dachte sich der Ermittler. „Wir werden ja sehen, ob du nichts gemacht hast. Wir werden nämlich Zahnabdrücke von dir nehmen lassen und sie mit den Einbruchsspuren vergleichen, die wir finden konnten“, sagte Ruprecht, während er seine Arme auf den Tisch legte und unter seinen buschig-schwarzen Augenbrauen hervorlugte. Sein eindrücklicher Blick ließ Herrn Hase etwas kleiner werden, als er ohnehin schon war. „Wo ist eigentlich mein Anwalt – mir steht doch ein Anwalt zu. Ganz so, wie überall“, verlangte der Dieb nun und Ruprecht grinste schief. „Du kannst natürlich einen Anwalt verlangen, mein Lieber. Allerdings wirfst du damit alle Angebote auf Strafmilderung von unserer Seite weg“, erklärte Herr Ruprecht. Er lehnte sich in den Stuhl zurück. „Ah, Clausi ist also auch da? Was krieg ich denn, wenn ich artig gewesen bin?“, fragte Herr Hase Richtung Spiegel. Autsch, Ruprechts Miene zuckte, Herr Claus hasste es, Clausi genannt zu werden oder, manch einer in ihrer Karriere war schon so clever gewesen, Senta statt Santa. Das kratzte natürlich am Ego seines Partners. „Ja, Herr Claus ist auch da!“, versuchte Herr Ruprecht das Thema schnell zu beenden. „Wir wollen allerdings viel lieber von Ihnen wissen, warum Sie die Einbrüche verübt haben!“ Auf der anderen Seite des Tisches, wo Herr Hase saß, konnte man ein Nasenwackeln sehen. Er schien zu überlegen und Ruprecht hoffte, dass er nicht seine ganz üble Seite herauf beschwören musste. „Ich sage gar nichts, bevor ich nicht den Deal gehört habe!“, bemerkte Herr Hase und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Ruprecht drehte sich also um, reckte die Hand in die Höhe und winkte mit zwei Fingern. Entsprechend kam Herr Claus in den Raum und schmiss die Tür in die Angeln. Wollten Sie nicht eigentlich böser Cop, guter Cop machen? Jetzt sah es so aus, als wäre er der gute Cop und Herr Claus der Üble. Das passte überhaupt nicht ins Rollenbild. Fast wollte er sich beschweren, aber er überlegte es sich anders. Insbesondere als Herr Claus sowieso schon lospolterte. „Wenn du nicht willst, dass du bis an dein Lebensende die Rute und nie wieder Möhren bekommst, solltest du reden. Mehr habe ich dir nicht anzubieten“, gab Herr Claus puterrot von sich. Sein Kollege schien etwas gereizt zu sein. Ruprecht räusperte sich. „Wer wird denn so gereizt sein, Clausi. Du musst mir schon ein besseres Angebot machen“´, sagte Herr Hase und ein fieses Lächeln öffnete sich auf seinen Zügen. Natürlich hatte ihr Dieb gerade gemerkt, dass der Spitzname einen empfindlichen Nerv bei dem Kollegen Claus traf. Ruprecht seufzte und massierte sich abermals die Stirn. Herr Hase war ein anstrengender Gauner. Es war also kein Wunder das Herr Claus mit der Faust auf den Tisch donnerte, dass der ganze Holztisch wackelte. Herr Hase hatte sein Grinsen immer noch nicht verloren. Er klopfte stattdessen eine Melodie mit seinem Fuß. Musikalisch begabt war Herr Hase auf jeden Fall, so viel stand fest. „Ein besseres Angebot? Also: „Du kriegst bis ans Ende aller Tage eine Rute, dazu werden wir der ganzen Welt offenbaren, was für ein schlimmer Finger und feiger Dieb du bist, damit auf Jahr und Tag dein Fest, das sie dir zu Ehren feiern, eingestampft wird.“ Wenn man in Herr Ruprechts Gedanken schaute, konnte man feststellen, dass er bemerkte, wie gereizt Herr Claus war und aus einem völlig irritierenden Grund legte er beschwichtigend eine Hand auf den Arm des Weißbärtigen. „Und wenn du uns was sagst, kriegst du vielleicht, wenn du mich nicht mehr Clausi nennst, eine Möhre“, beruhigte sich der Weißbart etwas und blickte den frechen Übeltäter noch einmal finster an. Ruprecht war noch nie in seinem ganzen Dasein als Ruprecht aufgefallen, wie unheimlich ein wütender Herr Claus war. Das letzte Mal als er ihn so gesehen hatte, war, als Herr Fröstchen und Herr Nikolaus kurz vor Weihnachten stockbetrunken durch die Kneipen gezogen waren und sich ein Vergehen wegen öffentlichen Ärgernisses eingehandelt hatten. Das war auch wirklich peinlich für die Feiertagspolizei gewesen. Die Aufregung war groß gewesen und Herr Fröstchen und Herr Nikolaus hatten sich noch 20 Jahre danach geschämt. Da beide von Herrn Claus eingestellt worden waren, war er entsprechend auch sauer gewesen und für die beiden setzte es weitere geschlagenen zehn Jahren nur noch Rute am größten Feiertag der Menschheit. Sie konnten froh sein, dass es nur insgesamt dreißig Jahre gewesen waren, eigentlich hatte Herr Claus angedroht, dass es mindestens 100 Jahre so laufen sollte und Milch und Kekse bei ihm abzuliefern waren und Herr Fröstchen Verbot bekam mit seinem Zauberstab Schnee zu zaubern. Der Zauberstab wurde außerdem konfisziert. Ohne sein Eingreifen hätte Herr Claus das auch tatsächlich durchgezogen. Man könnte den Anzugträger in Rot wirklich manchmal als unbeherrscht bezeichnen. Aber was wollte man von einem Mann erwarten, der 24 h lang über die ganze Welt flog und Weihnachtsgeschenke verteilte und den Rest der Zeit dafür sorgte, dass die Geschenke fertig wurden. Inzwischen hatte er die Aufgabe schon perfektioniert und etwas ins Leben gerufen, was da „Versandhandel“ hieß. Wenn da Leute böse waren, war es wohl wesentlich einfacher eine Fehlfunktion einzubauen. Zwar landeten die Pakete etwas vor Weihnachten bei den Familien, aber Claus hatte die Leute gut erzogen, denn aufgemacht wurden die nach Traditionsgedanken erst am Heiligabend oder Weihnachtsmorgen. Je nachdem, wo man sich in der Welt befand. Herr Hase sah Herrn Claus eine Weile an und wackelte mit der Nase herum. „Na gut, einverstanden. Ich rede. Aber dafür bleibt mein Name in der Öffentlichkeit sauber!“ Es war ein Moment des Schweigens, der sich über ihren Köpfen ausbreitete. Herr Claus und Herr Ruprecht sahen sich an. „In Ordnung. Wir versprechen es!“, bemerkte Ruprecht schließlich. Claus schnaubte verächtlich, verschränkte die Arme vor der Brust und setzte sich auf den zweiten Stuhl auf Seiten Herr Ruprechts. „Na dann – Ihr Part“, brummte Herr Claus ernst. „Also im Grunde, war das ja gar nicht so geplant, wie das jetzt gelaufen ist. Ich bin damals als erster meiner Art geboren. Also sprechend, auf zwei Pfoten laufend, pelzig und zu groß geraten. Ich war in der Schule immer Außenseiter, weil ich so komisch aussah und meine Mummy hat immer fürchterlich geheult, wenn sie mich gesehen hat. Was meiner Hasenmeinung nach wirklich nicht sehr nett ist. Nun egal. Ich habe versucht was aus meinem Leben zu machen und fand heraus, dass ich Menschen begeistern konnte. Warum sollte man sich das auch nicht zu nutze machen?“, Herr Hase zuckte mit den Schultern und stellte die Ohren auf. „Die Leute vertrauten mir und ließen mich in ihre Häuser ein. Da kam ich irgendwann auf die Idee, da ein Ei zu klauen, dort eine Schokolade mitgehen zu lassen und andere Dinge, die man zu Ostern … eben so finden kann“, Herr Hase ließ die Ohren wieder sinken. „Auch wenn ich als Dieb ziemlich brillant bin – meine Herren, denkt doch, was ihr wollt, habe ich es nicht so mit dem Verstecken. Ich habe die Gegenstände immer in der Nähe von anderen Häusern gehortet und beim aller ersten Mal, haben die Menschen dann die Beute von dem anderen Haus gefunden, dass ich ausgeräumt hatte. Um ehrlich zu sein, habe ich wirklich nicht damit gerechnet, dass die Menschen auf die Idee kommen, draußen im Garten nach Schmuck zu suchen ...“ Der pelzige Herr Hase kratzte sich etwas am behaarten Nacken. „Ich hab das jedes Mal direkt nach dem Winterschlaf probiert“, sagte der Gefangene nun, bevor er verzweifelt ausstieß: „Allerdings haben die Menschen irgendwann Gefallen daran gefunden, meine Verstecke zu suchen. Das wurde … zum Ritual. Wisst ihr, wie frustrierend es ist, wenn man Dinge versteckt, die keiner finden soll und alle anderen sich die größte Mühe geben, das zu suchen, ey?“ Herr Hase ließ sich frustriert in den Stuhl sinken. Herr Ruprecht und Herr Claus sahen sich an. „Das heißt, du hast eigentlich nie etwas von deiner Beute gehabt … weil du im Grunde … zu blöd warst, das richtig zu planen?“, brachte es Ruprecht auf den Punkt. Die Frage ließ Herrn Hase enttäuscht nicken. Die beiden von der Festtagspolizei fingen an zu lachen, selbst Herr Claus hatte den absichtlichen Seitenhieb auf seinen Namen vergessen. Als sich Herr Claus beruhigt hatte, sagte er zu Herrn Ruprecht: „Weißt du, Knechti? Lass uns mit Staatsanwalt Valentin sprechen. Ich habe die perfekte Bestrafung für Herrn Hase“ „Was? Was habt ihr vor?“, fragte der Erwähnte panisch, als Herr Claus und Herr Ruprecht die Köpfe zusammensteckten und tuschelten. Das gefiel ihm gar nicht. „Herr Hase, jetzt dürfen Sie einen Anwalt anrufen“, sagte Herr Claus und die beiden gingen aus dem Raum und befahlen Herrn Fröstchen und Herrn Nikolaus den Osterhasen abzuführen.

 Das Urteil des Osterhasens lautete: Herr Hase muss für den Rest seines Lebens selbst die Süßwaren und die Ostereier herstellen und sie, wie gewohnt jedes Jahr zu Ostern, nach dem Winterschlaf, zu den Häusern bringen. (Man könne ihm ja nicht erlauben, weiterhin fremde Sachen zu entwenden) Sollte Herr Hase sich einem weiteren Einbruch schuldig machen, so sollte er für ganze 200 Jahre die Rute zu Weihnachten erhalten und zusätzlich 40 Jahre Möhrenverbot und Freiheitsentzug. Für den Fall, dass Herr Hase sich im Freiheitsentzug befindet, wird ein Doppelgänger für ihn gefunden und eingesetzt. Das Urteil ergeht im Namen des Festtagsgerichts.

Nachtrag: Herr Claus und Herr Ruprecht haben sich daran gehalten, der Weltöffentlichkeit nicht zu verraten, was es mit Ostern eigentlich wirklich auf sich hat.